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Ein Stück Kuchen kann dein Leben verändern

Helmut kenne ich schon seit 25 Jahren und wie es gute Freunde schon mal machen, treffen sie sich zu einem kleinen Plausch bei einer Tasse Kaffee. Seine Angewohnheit regelmäßig zu spät zu kommen, bezieht sich nicht auf Minuten, sondern in der Regel auf eine bis eineinhalb Stunden.

„Ich bin eben so… Ich versuche pünktlich zu sein… Ich bin eben selbständig und da ist das so… Ich habe viel zu tun und deshalb ist das so…“

Er übernimmt keine Verantwortung für sein Handeln und schiebt es auf die äußeren Einflüsse, die für sein Leben zuständig sind. Schon oft haben wir über das Thema Wertschätzung gesprochen, doch er ist in dieser Hinsicht unverbesserlich. Er nimmt das Ganze mit Humor und betrachtet sein Verhalten als eine Art kreatives Heldentum. Ernst nehmen kann ich ihn nicht und ich bin mir sicher, dass weiß er auch. Zurückzuführen ist das auf unsere fehlende emphatische Schnittmenge und die damit verbundene geistige Übereinkunft.

Bei einem unserer Treffen habe ich die obligatorischen fünf Minuten gewartet und bin dann gegangen. Nach einer Stunde meldete er sich: „Wo bist Du?“

Seine Erwartungshaltung und meine Anforderungen an eine Freundschaft liegen Welten auseinander und dennoch mache ich Termine mit ihm, weil er ein besonderer Mensch ist. Besonders irre? Nett, interessant, herzlich, spannend? Was bewegt mich, um mich mit solchen Menschen zu treffen?

Das nächste Treffen mit meinem guten Freund, dem chronischen Zu-Spät-Kommer, stand an. Wie selbstverständlich ergriff ich die Initiative und fragte eine halbe Stunde vor unserem Termin nach, ob er sich denn schon auf den Weg gemacht hatte. Wie selbstverständlich erwiderte er, dass er sich voraussichtlich um eine halbe Stunde verspäten wird. Helmut gehörte zu dem letzten Exemplar dieser Spezies, mit dem ich noch Kontakt hatte und genoss den Bonus meiner Aufmerksamkeit. Warten jedoch, wollte ich nicht und so machte ich mich auf den Weg zu einem Café, setzte mich auf die Terrasse und genoss das schöne Wetter. Kurze Zeit, nachdem ich mir einen Kaffee bestellte, trudelte auch Helmut ein und auch er bestellte sich bei der Kellnerin ein Getränk. Sein „Zuspätkommen“ war für mich längst nicht mehr so interessant, dass ich es hätte ansprechen wollen, darum unterhielten wir uns über die Probleme in seiner Firma.

Unser Gespräch wurde von einem Anruf seines Kunden unterbrochen. Kurze Zeit darauf erklärte er mir fröhlich, dass er gerade einen neuen Auftrag bekommen hatte. Nachdem ich ihn zu diesem großartigen Ereignis gratulierte, stand er plötzlich auf und ging in das Café, geradewegs zur Kuchentheke.

Die Kellnerin servierte ihm ein Stück Kuchen.
Vor mir sitzend verspeiste er genüsslich sein Stück Kuchen, während er sich weiterhin mit mir unterhielt. Ich, jedoch war etwas irritiert von der Situation und musste etwas schmunzeln, beinahe lachen. Nachdem mein guter Freund Helmut sein Stück Kuchen verputzt hatte, ging er wieder ins Café zurück. Ich war mir sicher, dass er spätestens an dieser Stelle mit dem Team der versteckten Kamera, einer Blaskapelle oder einer riesigen Torte, zurückkehren wird.

Meine freudige Erwartungshaltung wurde abgedämpft als er wieder vor mir stand und sich verabschiedete. Er hatte noch viel zu tun und musste noch mal ins Büro, so meinte er.

„Hast Du meinen Kaffee mitbezahlt?“
Fragte ich, um mich wenigstens für das Getränk zu bedanken.

Er nickte mit seinem Kopf zu einem eindeutigen „Nein“. Danach verabschiedete Helmut sich wie immer mit einem „Tschüss, bis die Tage“, stieg in seinen Mercedes und fuhr fort.

Warum liegt mir der Kuchen heute noch so schwer im Magen?
Die Quintessenz der Geschichte:
Kümmere dich nur um deinen eigenen Kuchen, wenn du den größten Abstand zu Freunden und Bekannten haben möchtest.

Was wäre, wenn wir unsere Perspektive wechseln würden und Verantwortung für unseren zwischenmenschlichen Beitrag übernehmen? Wie würde unsere Welt aussehen, wenn wir teilen und andere Menschen wertschätzen? Wären wir glücklicher, wenn wir achtsam sind?

Freundschaften sind nur möglich, wenn wir erkennen, dass wir selbst für unser Handeln verantwortlich sind. Es ist nicht der Staat, nicht der Partner, nicht unsere Vergangenheit und auch nicht die äußeren Umstände, die für unsere Taten verantwortlich sind. Es sind einzig und allein wir selbst, die dafür Sorge tragen, ob unsere Welt ab jetzt jeden Tag ein bisschen schöner oder aber hässlicher wird.

Wir haben das große Glück jeden Tag selbst entscheiden zu können, um einen radikalen Wechsel unseres Handelns einzuleiten.

Die besten Grüße
euer MAPAWLO

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